Nobuyoshi Araki
Anna & Bernhard Blume
Balthasar Burkhard
Peter Fischli & David Weiss
Günther Förg
Andreas Gursky
Candida Höfer
Alex Hütte
Martin Liebscher
Inge Rambow
Thomas Ruff
Jörg Sasse
Beat Streuli
Thomas Struth

Der Katalog
Unter dem Titel "XL Photography - Art Collection Neue Börse" ist im Verlag hatje/cantz ein umfangreicher englisch/deutscher farbiger Bildband mit einer Einführung von Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann, Direktor des Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, erschienen, in dem sämtliche Werke der Sammlung abgebildet sind.

XL Photography
132 Seiten, 32cm x 32cm
Leinen mit Schutzumschlag, 98,00 DM
ISBN 3-775-71003-5
hatje/cantz

Aus den Fugen

Martin Liebscher schwenkt die Kamera, bewegt sie durch den Raum oder richtet sie auf bewegte Objekte. Seine Motive findet er in Großstädten, in dem Lebensraum, der ihn umgibt. Seine Kamera,
eine Praktika aus ehemaliger DDR-Produktion, hat Liebscher so umgebaut, dass er bei geöffneter Blende einen ganzen Film von Hand durchspulen kann. Die extrem querformatigen Fotografien, die auf diese Weise entstehen, nennt er "Panoramabilder". Bei
einer durchschnittlichen Belichtungszeit von rund 15 Sekunden sind drei bis vier Bilder pro Film die Ausbeute. Je nach Richtung und Schnelligkeit der Kamerabewegung haben sie verschiedene Schärfepunkte. Dazwischen beginnen die Raumachsen zu stürzen, die Konturen verschwimmen, einzelne Bildebenen überlagern sich. Die klassische Fotografie fixiert den Augenblick, Martin Liebschers "Panoramabilder" grenzen ans Filmische, denn sie dramatisieren ihn.

Für Liebscher, der lange Zeit als Filmvorführer in einem Kino gearbeitet hat, besitzen die seltsamen optischen Effekte einen starken ästhetischen Reiz. Viel Spontaneität liegt in ihnen. Was bei den Belichtungen herauskommt, kann er nicht in allen Einzelheiten kalkulieren.

Gleichzeitig wollen die "Panoramabilder" nachvollziehen, wie wir die Dinge betrachten. Die schwenkbare Kamera-Optik tritt an die
Stelle des menschlichen Auges. "Niemand konzentriert sich zugleich auf sein gesamtes Gesichtsfeld", sagt Liebscher. "Unsere Augen sind ständig in Bewegung. Sie scannen die Welt um uns herum, verlieben sich in Details, und dann schweifen sie wieder ab. Meine Arbeiten dokumentieren das." Die häufigen
Richtungswechsel führen zu den typischen Verwischungen, Dehnungen und Stauchungen in Liebschers Querformaten. Sie verleihen nicht nur dem subjektiven Moment der Wahrnehmung neue Authentizität, sondern zeigen die Welt auch aus einer radikal modernen Perspektive. Die Welt zerfließt in einen Streifen asynchroner optischer Reize. Wo Stabilität fehlt, werden alle Standpunkte flüchtig.
Out of Joint

Martin Liebscher pans his camera, moves it through space, or focuses it on moving objects. He comes upon his motifs in large cities, in his own natural habitat, as it were. Liebscher has modified his camera - a Praktika made in former East Germany - to enable him to feed an entire film through by hand while the shutter remains open. He calls the long drawn-out pictures which arise as a consequence Ñpanorama picturesì. Taking an average exposure time of 15 seconds, three or four pictures can be produced per film. The various points of focus are a product of how fast and in what direction he moves the camera. Between these points, spatial axes collapse and contours blur, with some images superimposed on others. While classical photography records a moment, Martin Liebscher,s panorama pictures border on film by lending that moment a dramatic quality.

For Liebscher, who for many years worked as a cinema projectionist, these strange optical effects possess a highly aesthetic quality, exuding a strong grain of spontaneity. After all, what each exposure will create is something he cannot estimate with accuracy in advance.

At the same time, the panorama pictures are supposed to replicate how we see. The moving, panning camera replaces the eyes. We never focus on everything in our field of vision, says Liebscher. Our eyes are in constant motion. They scan the world around us, lose themselves in details, and then let them go again. My works document this fact.,, The camera,s frequent change of direction leads to the typical sense of blurring, protraction and contraction encountered in Liebscher,s landscape formats. Not only do they imbue the subjective moment of perception with a new authenticity, they also show the world from a radically modern perspective. The world dissolves into a strip of asynchronous optical stimuli. All angles become transient in a world bereft of stability.
Abbildungen
(Auswahl)




Crosswalk


Dach, Ffm





Sonstige
(Auswahl)




Fish Market


World Trade Center


Flugzeug, Ffm
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Panorama