Bildende Kunst / 18.02.1999


 

Der Witz mit Liebschers Fotos

 

"Liebscher - eine Künstlerfamilie aus der Pfalz" ist noch bis 21. März in der Pfalzgalerie Kaiserslautern versammelt. Dabei handelt es sich keineswegs, wie der Titel etwa suggerieren könnte, um einen Rückblick auf mehrere Generationen braver Landschafts- oder Genremaler, sondern nur um einen einzigen, höchst gegenwärtigen jungen Mann, der noch dazu mit der Kamera statt mit dem Pinsel agiert: Martin Liebscher (geboren ist er ¸übrigens 1964 in Naumburg statt in der Pfalz, und seinen Wohnsitz hat er in Berlin).

 

In der Avantgarde-Reihe "1. Liga!" der Pfalzgalerie hat Liebscher sich bis zur Scheinfamilie vervielfacht. Er fotografierte sich selbst mit einer 3-D-Kamera in den Museumsrumen und digitalisierte die Aufnahmen am PC zum "Familienfoto", das er in Kaiserslautern auf eine Leinwand projiziert. Besucher werden dort mit einer Polfilter-Brille ausgestattet und können das Bild räumlich sehen. Mittlerweile produziert der muntere Konzeptfotokünstler bereits gerahmte "Gruppenfotos" mit höchst plausibel erscheinenden Personen, die aber alle fingiert sind. Diese Arbeiten höngen nun verwirrenderweise zwischen den ehrwürdigen Gemälden der ständigen Museumssammlung (jedenfalls während der "1. Liga!"-Dauer).

 

Liebscher, kürzlich mit dem Kunstpreis "Frankfurter Welle" ausgezeichnet (der außer 10 000 Mark Preisgeld auch einen Gestaltungsauftrag des Deutschen Immobilien Fonds entählt), kam übrigens ins Guinness-Buch der Rekorde mit einem 37 Meter langen "Gruppenfoto", das er im Treppenhaus der Pfalzgalerie installierte. Mit seinen Aktivitten widerlegt er endgültig die Annahme, daß Fotografie die Wirklichkeit authentisch wiedergäbe. Im Gegenteil - Wirklichkeit wird gerade hier zur unendlich manipulierbaren Bildermasse.

 

Aber auch historische Aspekte verschmäht Liebscher nicht. Er arbeitet mit allen verfügbaren Apparaten von der archaischen russischen Kamera bis zur modernsten Technik. Die Ergebnisse kann man täglich außer montags von 10-17 Uhr, dienstags auch 19-21 Uhr bewundern (Museumsplatz 1, Telefon 0631-36 47 201. hey

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